Hand und Stift

Wie ich Sketchnotes für bessere Konzentration in Online Meetings nutze

Es ist ein später Dienstagnachmittag in unserem Hamburger Büro. Draußen regnet es — Überraschung — und ich starre auf mein Notizbuch. Ich sehe Textwüsten. Endlose Zeilen aus dem Stakeholder-Review am Vormittag. Ich erkenne einzelne Wörter wie 'Skalierbarkeit' und 'User-Feedback', aber ich habe keine Ahnung mehr, in welchem Kontext sie gefallen sind. Mein Gehirn hat irgendwann zwischen Minute 15 und 20 einfach den Dienst quittiert.

Bevor ich tiefer in meine Methode eintauche: In diesem Artikel findest du Affiliate-Links. Wenn du über diese Links einen Kurs buchst, erhalte ich eine Provision — für dich entstehen keine Mehrkosten. Ich verlinke hier ausschließlich den Sketchnotes Kurs und Tools, die ich selbst seit Monaten in meinem PM-Alltag nutze, um nicht im Meeting-Wahnsinn zu versinken.

Die 62-Prozent-Falle

Laut meinem Kalender verbringe ich 62 Prozent meiner Arbeitswoche in Meetings. Standups, Retros, Planning, Stakeholder-Syncs. Ende 2025 kam die Verzweiflung. Ich merkte, dass mein Gehirn bei reinem Audio-Input in Videokonferenzen nach zehn Minuten abschaltet. Ich höre die Worte, aber sie ergeben kein Bild. Ich drifte ab, checke Slack, verliere den Faden.

Das Problem ist nicht die Müdigkeit. Es ist die Art, wie wir Informationen verarbeiten. Die Dual Coding Theory besagt, dass wir Informationen besser behalten, wenn sie sowohl verbal als auch visuell codiert werden. In einem Online-Meeting fehlt der visuelle Anker meistens — außer jemand teilt furchtbare PowerPoint-Folien.

Nahaufnahme der fünf Grundelemente der Sketchnotes auf Papier

Mein Start ohne Zeichentalent

Ich habe keinen Design-Hintergrund. Meine einzige visuelle Referenz aus der Schulzeit sind schiefe Häuser mit rauchenden Schornsteinen. Aber im Januar, an einem besonders grauen Montagmorgen im Homeoffice, habe ich angefangen, meine Notizen visuell zu strukturieren. Ich habe mir den Sketchnotes Kurs besorgt, weil ich eine Struktur brauchte, die über bloßes Gekritzel hinausgeht.

Der wichtigste Lerneffekt: Es geht nicht um Kunst. Es geht um Funktion. Wer Schritt für Schritt Sketchnotes lernen will, muss erst mal das Ego ablegen. Es gibt im Grunde nur 5 Elemente: Punkt, Linie, Kreis, Dreieck und Quadrat. Mehr braucht man eigentlich nicht, um komplexe SaaS-Workflows darzustellen.

Der Fokus-Effekt bei ADHS-Tendenzen

Hier kommt der entscheidende Punkt für mich — und vielleicht für viele im Tech-Bereich. Viele von uns haben diese leichten ADHS-Tendenzen in Videokonferenzen. Standard-Sketchnoting kann da nach hinten losgehen. Wenn ich versuche, eine perfekte Illustration zu zeichnen, verliere ich den Ton. Ich bin dann so in der Grafik versunken, dass ich die Entscheidung des Product Owners verpasse.

Die Lösung für mich ist das 'Low-Fidelity-Sketchnoting'. Ich nutze einfache Container, um Themenblöcke zu trennen. Wenn ein Stakeholder von einer 'Cloud-Migration' spricht, versuchte ich anfangs, ein komplexes Icon dafür zu entwerfen. Ich verlor den Faden der Diskussion und malte am Ende nur einen frustrierten Kringel. Heute ist es eine einfache Wolke mit einem Pfeil. Fertig. Es geht darum, die auditive Aufnahme zu stützen, nicht sie zu ersetzen.

Vergleich zwischen Online-Meeting am Laptop und visuellen Notizen im Heft

Haptik gegen das digitale Rauschen

Ein großer Teil meiner neuen Konzentration kommt durch das Material. Das sanfte Kratzen des schwarzen Fineliners auf dem 90g-Papier bietet einen haptischen Anker gegen das endlose Rauschen der Laptop-Lüfter. In einer Welt, die nur noch aus Pixeln besteht, ist das Papier mein Realitäts-Check. Ich merke, wie mein Stresslevel sinkt, sobald der Stift das Papier berührt.

Ein netter Nebeneffekt: Das typische Brennen in den Augen nach vier Stunden Zoom bleibt aus, weil mein Blick ständig zwischen Screen und Papier wechselt. Mein Optiker würde das wahrscheinlich 'Akkommodations-Training' nennen. Ich nenne es Überlebenstaktik. Ich nutze oft Farben in Sketchnotes, um Prioritäten zu setzen, aber meistens reicht ein einziger grauer Marker für Schatten, um Tiefe zu erzeugen.

Wenn die Symbole schiefgehen

Natürlich ist nicht jede Notiz ein Meisterwerk. Vor ein paar Tagen im Juni, mitten in einem hitzigen Sprint Planning, wollte ich einen Meilenstein zeichnen. Hoffentlich sieht niemand in der Kamera, dass mein 'Meilenstein-Symbol' eher wie ein schiefes Stück Käse aussieht – aber egal, ich weiß, was es bedeutet. In diesem Moment war das Symbol der Anker für die Deadline am 15. Juli.

Oft fragen mich Kollegen im Nachgang nach meinen Protokollen. Früher habe ich ihnen meine Textwüsten geschickt, die sie (genau wie ich) nie wieder gelesen haben. Heute mache ich ein Foto von meiner Sketchnote. Die Reaktionen sind meistens: 'Ah, jetzt verstehe ich den Zusammenhang zwischen dem Backend-Task und dem Frontend-Release erst richtig.' Visuelle Hierarchien lügen nicht.

Wer sich unsicher ist, wie man Personen darstellt, sollte sich mal anschauen, wie man Sketchnotes Männchen einfach zeichnen kann. Das hilft enorm, wenn man Stakeholder-Maps erstellt und verstehen will, wer eigentlich gegen wen arbeitet.

Fertige Sketchnote-Seite mit Strukturen für einen Software-Release-Plan

Die langfristige Wirkung

Nach etwa acht Wochen konsequentem Mitzeichnen hat sich mein Gehirn umgestellt. Ich höre heute anders zu. Ich filtere während des Sprechens bereits nach Clustern und Verbindungen. Sketchnotes sind für mich kein Hobby, sondern ein Werkzeug gegen die digitale Erschöpfung und für ein lesbares Protokoll-Archiv.

Es ist kein Zufall, dass ich seit dem Start meines öffentlichen Tagebuchs weniger 'Was haben wir da eigentlich beschlossen?'-Nachrichten auf Slack schreibe. Ich habe es gezeichnet. Ich habe es im Kopf verankert. Wenn du auch das Gefühl hast, dass 62 Prozent deiner Zeit im digitalen Nirvana verschwinden, probier es aus. Es fängt mit einem Kreis und einem Quadrat an.

Falls du wirklich Struktur in deine Notizen bringen willst, ohne dass es in Kunst ausartet, kann ich den Sketchnotes Kurs wärmstens empfehlen. Er ist auf Funktionalität ausgelegt — genau das, was wir im PM-Alltag brauchen, wenn der nächste Call schon in zwei Minuten startet.

Verwandte Artikel