Hand und Stift

Farben in Sketchnotes richtig nutzen für bessere Struktur im Meeting

Ein regnerischer Dienstagmorgen im Hamburger Schanzenviertel. Ich sitze in der dritten Videokonferenz des Tages — Thema: Roadmap-Priorisierung für das nächste Fiskaljahr. Vor mir liegt mein Notizbuch, 80 g/m² Standardpapier, eigentlich völlig okay für Kugelschreiber. Aber ich starre auf eine Bleiwüste aus schwarzer Tinte, die nach fünf Minuten so unübersichtlich geworden ist, dass ich meine eigenen Notizen nicht mehr entziffern kann.

Kurzer Hinweis vorab: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Wenn du über diese Links einen Kurs kaufst, erhalte ich eine Provision — für dich entstehen keine Mehrkosten. Ich verlinke hier ausschließlich Kurse, die ich selbst im Rahmen meines 62-prozentigen Meeting-Wahnsinns über Wochen getestet habe.

Die Falle der bunten Stifte: Wenn das Protokoll zum Kindergeburtstag wird

Ende 2025 habe ich aus reiner Verzweiflung angefangen, meine Notizen visuell zu strukturieren. Mein erster Impuls war: Viel hilft viel. Ich kaufte mir ein Set aus zwölf verschiedenen Markern und versuchte, jedem Stakeholder eine eigene Farbe zuzuweisen. Marketing war Rot, Engineering war Blau, Product war Grün. Das Ergebnis war ein visuelles Desaster.

Nach zwanzig Minuten sah meine Seite aus wie ein bunter Konfetti-Regen. Ich verbrachte mehr Zeit damit, die Kappen meiner Stifte zu suchen, als den Argumenten für die neuen User Stories zu folgen. Während der Rest des Raumes hitzig über die Roadmap diskutierte, kämpfte ich mit der Mechanik meiner Ausrüstung. Das ist das Problem, wenn man ohne System an die Sache herangeht: Die Farbe lenkt ab, statt zu klären.

Close-up of yellow marker bleeding through thin notebook paper.

Ich habe damals einen neon-gelben Textmarker für alle Überschriften genutzt, der so stark durch das dünne 80 g/m² Papier blutete, dass die nächsten drei Seiten meines Notizbuchs unbrauchbar waren. Ein klassischer Anfängerfehler, wenn man denkt, dass Sketchnotes primär dekorativ sein müssen. Dabei verarbeitet das menschliche Gehirn visuelle Informationen zwar etwa 60.000 Mal schneller als reinen Text, aber nur, wenn die visuelle Hierarchie auch Sinn ergibt.

Funktionale Farben: Die 3-Farben-Regel für den PM-Alltag

Mitte des ersten Quartals dieses Jahres kam der Wendepunkt. Ich habe aufgehört zu experimentieren und mir im Sketchnotes Kurs angeschaut, wie Profis das eigentlich machen. Die wichtigste Lektion: Reduktion. In einem hektischen Standup oder einer Retro habe ich keine Zeit für Ästhetik. Ich brauche Struktur.

Heute arbeite ich fast ausschließlich mit drei Farben:

Wenn ich jetzt vor der Wahl stehe und mich frage: Soll ich den roten Stift für die Deadline nehmen? Dann ist der innere Monolog meistens: Sieht das jetzt nach 'Wichtig' aus oder schreit es mich nur an? Meistens gewinnt die Akzentfarbe, weil sie Ruhe in das Chaos bringt. Wer mehr über die grundlegende Organisation erfahren will, sollte sich meine Gedanken dazu ansehen, warum ein Sketchnotes Kurs für Product Manager Zeit im Alltag spart.

Das Flow-Problem: Warum Stiftwechsel der Feind der Konzentration sind

Hier kommt der Punkt, den die meisten Design-Tutorials ignorieren: In einem echten Meeting herrscht Zeitdruck. Wenn ich alle zwei Minuten den Stift wechsle, verliere ich den inhaltlichen Anschluss. Das ist mein Unique Angle zu diesem Thema: Farben müssen so platziert werden, dass sie den Fluss nicht stören.

Ich zeichne das gesamte Protokoll erst einmal in Schwarz und Grau. Die Akzentfarbe kommt oft erst in den letzten fünf Minuten des Meetings oder direkt danach zum Einsatz. Während die anderen ihre Laptops zuklappen, gehe ich mit dem farbigen Marker über die Seite und markiere die drei wichtigsten To-dos. Das sorgt für eine visuelle Ankerung, ohne dass ich während der Diskussion den Faden verliere. Wer den Unterschied zwischen reiner Schreibkunst und funktionalen Notizen verstehen will, kann hier nachlesen: Unterschied zwischen Handlettering und Sketchnotes für schnelle Notizen.

Hand adding grey shadows to a sketchnote container for better structure.

Das leise, fast meditative Quietschen des Filzstifts auf dem glatten Papier, während der Rest des Raumes noch über die Details der Roadmap für das übernächste Jahr diskutiert, hat fast etwas Beruhigendes. Es ist der Moment, in dem aus dem Meeting-Rauschen Klarheit wird.

Reaktionen und Reflexion: Wenn die Kollegen plötzlich mitschauen

Vor etwa drei Wochen passierte etwas Unerwartetes. Während eines besonders zähen Vormittags-Meetings beugte sich ein Kollege über meinen Tisch, sah auf meine dreifarbige Struktur und fragte zum ersten Mal nach dem Meeting, ob ich ihm ein Foto von meinem Protokoll schicken kann. Er meinte, er hätte in den 60 Minuten völlig den Überblick verloren, aber meine Zeichnung mit den grauen Schattenboxen und den blauen Action-Items hätte die Sache für ihn sofort wieder greifbar gemacht.

Das war die Bestätigung, dass der Weg weg vom bunten Chaos hin zur funktionalen Farbwahl richtig war. Es geht nicht darum, ein Künstler zu sein — ich habe immer noch keine Zeichen-Vorkenntnisse. Es geht darum, 5 einfache Sketchnotes Rahmen mit einer klaren Farblogik zu kombinieren.

Wenn du auch an dem Punkt bist, an dem deine Notizen eher nach moderner Kunst als nach Arbeitsgrundlage aussehen, kann ich dir den Sketchnotes Kurs ans Herz legen. Er ist die Basis für alles, was ich heute in meinen 62 Prozent Meeting-Zeit mache. Er konzentriert sich auf das Wesentliche: Symbole, Container und eben den gezielten Einsatz von Farbe, um im SaaS-Wahnsinn nicht unterzugehen. Für alle, die lieber direkt digital starten wollen, gibt es auch Optionen, wie ich in meinem Bericht über Sketchnotes auf dem iPad beschrieben habe.

Am Ende des Tages ist weniger Farbe tatsächlich mehr Klarheit. Mein Notizbuch für das nächste Quartal liegt schon bereit. Diesmal ohne neon-gelbe Experimente.

Verwandte Artikel