Hand und Stift

Sketchnotes in Präsentationen nutzen um Stakeholder im SaaS zu überzeugen

Wann genau wurde eine handgezeichnete Linie eigentlich weniger professionell als eine Bullet-Point-Liste? Die Frage stelle ich mir seit meinem ersten Sketchnotes-Kurs, und eine befriedigende Antwort habe ich bis heute nicht gefunden. Was ich stattdessen gefunden habe: einen SaaS-Management-Alltag, in dem visuelle Notizen in Präsentationen als Risiko gelten statt als Werkzeug für bessere Stakeholder-Kommunikation. Dabei ist genau das mein Job im Produktmanagement — Dinge so erklären, dass sie beim zweiten Zuhören nicht schon wieder verschwunden sind.

Genau diese Unsicherheit sitzt in jedem SaaS-Meetingraum mit Glaswänden, auch wenn kaum jemand offen darüber spricht.

Der Malblock-Mythos hält sich hartnäckig in SaaS-Meetingräumen

Der Mythos hält sich hartnäckig: Wer zeichnet, nimmt sein Thema angeblich nicht ernst genug für eine ordentliche Folie.

Seit gut einem Jahr sitze ich mit Stift und Block in genau solchen Räumen, und der Satz „ist das nicht unprofessionell" kommt öfter, als mir lieb ist.

Komplexität gilt in vielen Teams als Kompetenznachweis — je mehr Spalten in der Tabelle, desto seriöser wirkt die Botschaft, bis jemand fragt, was das eigentlich bedeutet, und die Tabelle keine Antwort liefert.

Auf dem Rückweg von einem Kundentermin durchs Schanzenviertel ging mir das nicht mehr aus dem Kopf.

Die Angst sitzt tiefer, als die Datenlage hergibt, irgendwie wird sie trotzdem bei jeder neuen Folie wieder verhandelt.

Live-Skizze oder vorbereitete Folie: der Unterschied, der zählt

Anders als am Whiteboard im Workshop ist die Zeichnung in einer Präsentation vorbereitet, nicht live entstanden. Sie muss also auch dann funktionieren, wenn das Deck ohne mich weitergeleitet wird.

Produktmanagement visuell: Hand zeichnet ein Deployment-Icon als Sketchnote auf dem Tablet für die SaaS-Präsentation

Meinen ersten brauchbaren Fineliner habe ich mir nicht selbst ausgesucht — mein Nachbar Matthias, eine Etage tiefer im selben Altbau und ebenfalls im Homeoffice unterwegs, hat ihn mir geliehen, weil meine ersten Stifte auf dem Papier durchgeblutet sind.

Der Stift roch in den ersten Strichen nach nichts Besonderem, erst beim dritten kam kurz der Tintengeruch durch, dann war er halt auch schon wieder weg.

Wie man Sketchnotes schnell zeichnen lernen kann, habe ich an anderer Stelle ausführlicher beschrieben — hier reicht der Punkt, dass es dabei nicht um Talent geht, sondern um ein paar wiederkehrende Formen, die man schnell verinnerlicht.

Eine Zeichnung wirkt schneller als ein Bullet-Point

Ein kleines, wiederkehrendes Set an Symbolen für Deployment, Blocker oder Entscheidung spart in jedem Meeting neu Zeit, weil niemand das Zeichen erst neu deuten muss.

Skizzieren zwingt einen dazu, nur die wichtigsten drei, vier Punkte festzuhalten, weil für den Rest schlicht keine Zeit bleibt — aktives Zuhören quasi als Nebeneffekt.

In einem neunzigminütigen Review griff ich genau dreimal zum Blatt und kein einziges Mal zum Handy.

Vorher waren es in der gleichen Zeit locker zwanzig Blicke aufs Display. Eine Linie auf Papier hält die Aufmerksamkeit offenbar länger fest als ein Chat-Fenster, das ständig neue Nachrichten nachlädt.

Visuelle Notizen im SaaS-Management: textlastige Slide im Vergleich zur einfachen Sketchnote-Metapher eines Trichters für die Stakeholder-Kommunikation

Maximilian Dürr, Junior-PM bei einem anderen SaaS-Unternehmen, schrieb mir neulich, ob wir das im Team wirklich anders machen als der Rest der Branche. Er hat für solche Fragen immer eine Zahl aus einer fremden Firma parat, die dann irgendwie nie ganz passt.

Struktur vor Stil: visuelle Notizen mit System

Bevor ich zu zeichnen anfing, hatte unser Team versucht, jede Entscheidung als eigenes Linear-Ticket zu dokumentieren. Nach kurzer Zeit wusste niemand mehr, welche Tickets wirklich Entscheidungen waren und welche nur offene Fragen — das Board wurde zur Fundgrube, nicht zum Protokoll.

Was zuerst ins Auge fällt, sollte auch das sein, was inhaltlich zuerst zählt, eine einfache Regel für den Aufbau der Seite, die leicht klingt und in der Praxis trotzdem oft kippt.

Für ein IT-Projekt im SaaS-Kontext braucht es dabei ein anderes Grundraster als für eine Kickoff-Folie, allein wegen der Zahl an Abhängigkeiten, die irgendwo Platz finden müssen.

Farbe setze ich inzwischen für genau eine Bedeutung ein, Rot bleibt Blocker und sonst nichts, weil mehrere Farbcodes im Meeting ohnehin niemand mehr auseinanderhält.

Einen Prozess als Pfeilkette statt als Tabelle zu zeichnen, macht Abhängigkeiten für Stakeholder sichtbar, die sonst erst beim dritten Nachfragen auffallen. Genau deshalb lohnt es sich auch, hinterher zu klären, wie man Action Items in Sketchnotes für bessere Übersicht nach Meetings markieren kann, sonst verpufft die schönste Zeichnung im nächsten Kalendereintrag.

Nicht jede Slide braucht einen Stift

Mit Hand-Lettering hat das relativ wenig zu tun, dort geht es um schöne Buchstaben, hier einzig darum, in Echtzeit mitzukommen, ohne den Anschluss ans Gespräch zu verlieren.

Ob das am Ende auf dem Tablet oder auf Papier passiert, ist noch mal eine eigene Abwägung, beides hat in meinem Alltag seinen Platz, je nachdem, wie schnell ich hinterher etwas verschicken muss.

Die Faustregel, die bei uns hängen geblieben ist: Zahlen und Verträge bleiben in der Tabelle, alles, was einen Zusammenhang zeigen soll, wandert auf den Stift. Fragt ein Stakeholder „wie hängt das zusammen", ist das mein Signal für eine Zeichnung, fragt jemand „wie viel", bleibt die Tabelle offen.

Der Malblock-Mythos hält sich trotzdem hartnäckig, bis zur nächsten Folie, die einfach funktioniert.

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