Hand und Stift

Customer Journey visuell darstellen mit einfachen Sketchnotes im PM Alltag

Spätnachmittag in einem Hamburger Konferenzraum. Ich starre auf ein 12-seitiges Journey-Dokument auf dem Screen. Während ich die Bulletpoints vorlese, merke ich, wie mein Team kollektiv abschaltet — die Augenlider werden schwerer, die Smartphones rutschen unter die Tischkante. Ich bin 34, Product Manager, und meine eigenen Notizen sind nach drei Tagen für mich selbst ein Rätsel.

Hinweis: In diesem Text finden sich Affiliate-Links. Wenn du darüber einen Kurs buchst, erhalte ich eine Provision — für dich ändert sich am Preis absolut nichts. Ich empfehle hier nur Dinge, die ich in meinem echten PM-Alltag über Monate auf Herz und Nieren getestet habe.

Mein Alltag besteht laut Kalender-Audit zu 62 Prozent aus Meetings. Das ist die Realität in einem SaaS-Unternehmen. Ende 2025 fing ich aus purer Verzweiflung an, mein Sketchnotes-Tagebuch öffentlich zu führen. Ich wollte nicht mehr in Textwüsten ertrinken. Wenn ich heute eine Customer Journey erkläre, öffne ich kein PDF mehr. Ich nehme einen Stift.

Der Sprung vom Text zum Symbol

Nach dem ersten Quartal 2026 wurde mir klar: Mein Problem ist nicht der Inhalt, sondern die Darstellung. Eine klassische Journey hat meist 5 Phasen — von der Awareness bis zur Advocacy. Das klingt in der Theorie logisch, sieht aber als reine Textliste aus wie eine Bedienungsanleitung für eine Waschmaschine. Niemand liest das gern. Niemand behält das.

Ich habe angefangen, den Sketchnotes Kurs durchzuarbeiten. Nicht, weil ich Künstler werden wollte. Ich wollte nur, dass man meine Protokolle lesen kann. Die wichtigste Lektion: Ein User ist nur ein Strichmännchen. Ein Touchpoint ist nur ein einfacher Container — ein Viereck mit einem dicken Rand. Mehr braucht es nicht, um eine Bewegung darzustellen.

Nahaufnahme einer Hand, die ein einfaches Strichmännchen und ein Symbol zeichnet

Das Smartphone-Icon und die sterbende App

An einem grauen Dienstagmorgen im Mai passierte es. Wir saßen im Refinement für ein neues Feature. Die Stimmung war angespannt, die Logik komplex. Ich ging zum Whiteboard, um den Nutzerpfad zu skizzieren. Mein Versuch, ein Smartphone-Icon zu zeichnen, sah allerdings aus wie ein krummer Grabstein. Es gab einen kurzen Lacher im Raum über unsere 'sterbende App'.

Aber genau dieser Moment hat das Eis gebrochen. Ich dachte kurz: Ich bin 34, Product Manager und halte gerade einen Filzstift wie ein Zauberstab — hoffentlich merkt keiner, wie nervös ich bin. Doch während ich weitermachte, passierte etwas Seltsames. Die Entwickler hörten auf zu tippen. Sie schauten zu.

In agilen Scrum-Meetings scheitern Standard-Sketchnotes oft. Es ist keine Zeit für ästhetische Schattierungen oder perfekte Proportionen. Wenn die Diskussion Fahrt aufnimmt, muss das Symbol in drei Sekunden stehen. Ich nutze Techniken aus dem Bereich Sketchnotes schnell zeichnen lernen um im Meeting Schritt zu halten, um den Fluss nicht zu unterbrechen. Es geht um Speed, nicht um Schönheit.

Live am Whiteboard: Die Journey wird greifbar

Das leise Quiatschen des schwarzen Markers auf dem glatten Whiteboard füllte den Raum, während alle plötzlich still wurden. Ich zeichnete die fünf Phasen als simple Stationen auf einer Linie. Ein kleiner Pfeil hier, eine Denkblase dort. Nichts davon hätte einen Designpreis gewonnen. Mein DIN A4 Notizbuch mit den Maßen 210 x 297 mm lag daneben als Spickzettel für meine Symbole.

Früher hätte ich versucht, SaaS Metriken und KPIs visualisieren zu wollen, indem ich Tabellen an die Wand werfe. Jetzt zeichnete ich einfach einen traurigen Smiley an den Punkt, an dem die Churn-Rate stieg. Ein Entwickler stand auf, machte ein Foto von der Zeichnung und sagte: 'Endlich verstehe ich, wo der User herkommt und warum dieser Button dort stehen muss.'

Whiteboard mit einer handgezeichneten 5-Phasen Customer Journey und Notizen

Mein Chef blieb nach dem Meeting kurz stehen, tippte auf die Zeichnung am Whiteboard und sagte trocken: 'Lass das hängen, das fotografieren wir ab und schicken es so an die Stakeholder.' Das war der Moment, in dem ich wusste, dass die Zeit für 12-seitige Journey-Dokumente in diesem Team vorbei ist. Wer Sketchnotes in Präsentationen nutzen will, muss vor allem den Mut zur Lücke haben.

Fazit aus dem PM-Alltag

Vor etwa drei Wochen habe ich angefangen, meine Journeys noch minimalistischer zu gestalten. Das Feedback der Stakeholder ist eindeutig: Sie verstehen die Zusammenhänge schneller. Es geht nicht darum, dass ich jetzt 'zeichnen kann'. Es geht darum, dass ich eine visuelle Sprache gefunden habe, die schneller ist als das Tippen von Bulletpoints.

Falls du auch in Meetings sitzt und merkst, dass deine Konzepte im Textsumpf versinken: Fang klein an. Ein Strichmännchen, ein Pfeil, ein Container. Den Sketchnotes Kurs habe ich jetzt seit Monaten als Basis im Hinterkopf — er hat mir die Angst vor dem weißen Blatt (oder dem glatten Whiteboard) genommen. Für den nächsten Schritt, wenn ich vielleicht mal auf das iPad umsteige, schiele ich schon auf den Digital Lettering Kurs, aber momentan reicht mir der Filzstift völlig aus.

Die visuelle Journey ist jetzt mein Standard-Werkzeug im PM-Werkzeugkasten. Mein Sketchnotes-Tagebuch füllt sich weiter. Nicht schön, aber verständlich. Und das ist im Hamburger SaaS-Regen schon eine ganze Menge wert.

Verwandte Artikel